Biographie von Dr. Heinz-Dieter Krausch
verfasst von Herrn Dr. Wolfgang Fischer, entnommen aus der Laudatio von
Prof. Dr. Herbert Sukopp,
Institut für Ökologie.
Herr Dr. habil. Heinz-Dieter Krausch blickt auf fünf
Jahrzehnte erfolgreicher wissenschaftlicher Arbeit zurück. Er brachte
in dieser Zeit den Erkenntnisstand in Vegetationskunde und Landschaftsgeschichte
Brandenburgs um wesentliche Schritte voran. Seine Tätigkeit fand
ihren Niederschlag in einer beeindruckenden Anzahl von Publikationen (mehr
als 300) in vielen wissenschaftlichen Zeitschriften und in der populär-wissenschaftlichen
Heimatliteratur. Hervorzuheben ist sein fachliches Wirken in der Öffentlichkeit.
Uneigennützig stellte er seinen Wissensfundus und seinen Ideenreichtum
jedem Ratsuchenden zur Verfügung, so für zahlreiche Diplom-
und Doktorarbeiten.
Dr. Krausch wurde am 28.9.1928 in der Niederlausitzer Kreisstadt Guben
geboren, einem ehemals bedeutenden Weinbauort und später Obst- und
Frühgemüseanbaugebiet. Er wurde noch mit fünfzehn Jahren
als Flakhelfer bei der Marine an der Nordseeküste eingezogen, überstand
jedoch glücklich die Kriegswirren und legte 1948 in Guben das Abitur
ab.
Bereits als Student der Pädagogischen Hochschule Potsdam war er ein
gediegener Kenner der Landschaften Brandenburgs und der Niederlausitz
und deren Pflanzenwelt. Er verfasste einen Exkursionsführer zu wichtigen
Naturschutzgebieten und klassischen Florenstätten in der Mark Brandenburg.
Von 1953 bis 1961 war er tätig als wissenschaftlicher Mitarbeiter
am Institut für Landschaftsforschung und Naturschutz, Zweigstelle
Potsdam. Er übernahm die von Prof. Dr. Eckardt ins Leben gerufenen
Kartierungen brandenburgischer Leitpflanzen und führte eine erste
Inventur der Naturschutz-Objekte Brandenburgs durch. 1959 wurde er mit
dem Thema „Vegetationsstudien an xerothermen Trockenrasen in Brandenburg“
promoviert. Die Zweigstelle stand damals am Beginn des Aufbaus eines Systems
von Schutzgebieten und es hätte wohl keinen besseren und erfahreneren
Kenner dieser Materie gegeben als Dr. Krausch.
Dennoch verließ er 1961 das Institut. Er trat die Stelle eines wissenschaftlichen
Mitarbeiters an der Forschungsstelle für Limnologie der Deutschen
Akademie der Wissenschaften an, die er bis 1991 bekleidete. Dort fand
er günstige Arbeitsbedingungen in der Forschungsstelle am Stechlin-See
(Fischerhütte), entbunden von bürokratischen und Leitungs-Tätigkeiten.
Er widmete sich zunächst einer Vegetationsmonographie des Stechlinsee-Gebietes,
die in einer fünfteiligen Reihe in der Zeitschrift Limnologica (1964,
1967, 1968, 1970) veröffentlicht wurde.
In dieser Zeit habilitierte er sich mit einer Arbeit zu Waldgeschichte
und Waldvegetation im Ruppiner Gebiet. In seinen damaligen Forschungsarbeiten
betrachtete er bereits die heutige Vegetation im engen Zusammenhang mit
der Landes- und Kulturgeschichte und ihren wechselnden Nutzungsformen.
Einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeiten bildeten die Wasser- und Sumpfpflanzen.
In der Neuauflage des von PASCHER begründeten Standardwerkes über
die Süßwasserflora von Mitteleuropa bearbeitete er gemeinsam
mit Dr. J. Casper den Band 23/24 (Pteridophyta und Anthophyta).
Zu Dr. Krauschs Forschungsgebieten zählt seit langem auch die Ethnobotanik.
Er sammelte viele Jahre die volkstümlichen Pflanzennamen in Brandenburg
und in der Niederlausitz und warb persönlich für deren rechtzeitige
Erfassung. Ohne seine Tätigkeit wäre die Mehrzahl der Bezeichnungen,
die noch die älteren Dorfbewohner gepflegt hatten, für immer
verloren gegangen. Aufgrund seiner philologischen Kenntnisse, vor allem
in der sorbischen Sprache, betätigte er sich an der Klärung
von Orts-, Flur- und Gewässernamen. Dies fand seinen Niederschlag
in zahlreichen Publikationen.
Bedeutenden Anteil hat der Jubilar an der Förderung und Bearbeitung
der Buchreihe „Werte der deutschen Heimat“, die in beispielhafter Weise
landschaftlich hervorragende Gebiete Brandenburgs heimatkundlich umfassend
darstellen. Unter seiner Federführung entstand der Band zum Oberspreewald
(1981), der kürzlich als “Burger und Lübbenauer Spreewald“ eine
Neuauflage erlebte.
Nach der Wende war er wissenschaftlicher Berater in der Projektierung
und Einrichtung von Schutzgebieten in Brandenburg und bearbeitete die
in der Praxis vielfach verwendeten Karten der potentiell-natürlichen
Vegetation Brandenburgs.
Das Erscheinen von „Kaiserkron und Päonien rot“ bildet einen Höhepunkt
in einem langen und reichen Forscherleben. Nachdem die politisch bedingten
Einschränkungen in der DDR weggefallen waren, führten neue Motivation,
Ausdauer und Fleiß zu diesem schönen, für ihn und für
uns begeisternden Werk.
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